Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Fischingen liegt im Jahr 772. Gegründet wurde Fischingen jedoch schon deutlich früher.
Die vermutete Gründung des Orts lingt in der Zeit der allemanischen Landnahme im 3. und 4. Jahrhundert.


Geschichts- und Museumsverein

Der Geschichts- und Museumsverein Vorderes Kandertal hat sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen um die Geschichte und Kultur im Vorderen Kandertal zu pflegen und zu fördern. Nähere Informationen bei www.geschichtsverein-vorderes-kandertal.de


KS4A5729Warum heisst Fischingen denn Fischingen?

Das Fischingen Wappen hat auf goldenem Grund einen roten Schrägbalken, der mit einem silbernen Fisch belegt ist. Schon etwa 1740 berichte Landvogt von Leutrum, dass die Gemeinde den Fisch im Dorfwappen führe. „Hier ist kein fliessendes Wasser, mithin keine Fischerei, und führt der Ort den Namen ohne Tat“
Und auch heute stellen sich Menschen die Fragen: weshalb heisst „Fischingen“ denn „Fischingen“, schliesslich ist der Rhein einige Kilometer entfernt und auch sonst deutet nichts auf Fischfang oder Fischreichtum hin.
Im Beitrag „Die Flurnamen der Gemarkung Fischingen“ von Inge Gula in der Ortschronik wird die Namensgebung erläutert:


Der Ortsname „Fischingen“
Der Ortsname Fischingen ist nicht häufig. Ausser unserem Fischingen gibt es ein Dorf dieses Namens in der Nähe von Horb, und ein weiteres im Kanton Thurgau.

Unser Fischingen wird 772 erstmals erwähnt, und zwar als „villa qui dictur Fiscingas“. In dieser latinisierten Form steckt die deutsche Wortbildungssilbe -ing-, die wir in sehr vielen Ortsnamen, vor allem in Südwestdeuschland, finden. Sie drückt ein Zugehörigkeit aus (). So sind etwa die Karolinger die Angehörigen Karls. Fast alle Ortsnamen auf -ingen sind mit einem Personennamen zusammengesetzt, was in Namen wie Sigmaringen oder Gundelfingen auch heute noch gut zu erkennen ist. So liegt es nahe, in der ersten Silbe des Namens Fischingen auch einen Personennamen zu sehen. „Im Fischbach kann man Fische, in Fischental und Fischingen aber den Personennamen Fisko finden“ . Oder: „Fischingen … enthält den Personennamen des Gründers Fisikin“. Schliesst man sich dieser Auffassung an, dann heisst Fischingen „bei den Leuten des Fisko (oder Fiskin)“.


KS4A5723Allerdings ist der Name auch anders gedeutet worden.

Bruno Boesch meint, der Name Fischingen sei entstanden aus „Fischinen“ (Fischi = fischreiche Stelle). Diese Deutung trifft auf unser Fischingen wohl nicht zu, da es sich durch keinen besonderen Richtum an Fischgewässern auszeichnet.

Hans Bahlow glaubt, in „Fischingen“ einen Bachnamen Fisca (der aus Fisc-aha = Fischbach entstanden sei) finden zu können. Auch gegen diese Deutung sprechen die natürlichen Gegebenheiten. Fischingen liegt und lag an keinem bemerkungswerten Bach.

Schliesslich bietet Friedrich Kuhn eine interessante Deutung: Er geht davon aus, dass Fischingen eine Tochtersiedling von Kirchen sei. Da in Kirchen ein Königshof stand, der einen Mittelpunkt der königlichen Verwaltung bildetet, leitet er den Namen Fischingen vom lat. fiscus = „königliche Domäne“ ab und deutet ihn als „bei den Leuten des Fiscus“. Hohn weisst darauf hin, dass nicht alle Ortsnamen auf -ingen mit einem Personennamen gebildet werden müssen. Adolf Bach führt Bespiele an, wo -ingen-Namen mit personennamenähnlichen Ausdrücken gebildet sind, etwa Bischofingen oder Päffingen . Es lässt sich allerdings kein einziges Beispiel finden, wo ein Begriff, der mit Fiscus vergleichbar wäre, zur Bildung eines -ingen-Names führte. Auch in einer Untersuchung über „Die Ortsnamen auf -ingen im östlichen Südbaden“ lässt sich kein vergleichbarer Fall entdecken. Die Verfasserin kommt sogar zu dem Schluss: „Die grosse Masse der mit Sicherheit einen Personennamen enthaltenden -ingen-Ortsnamen in unsereme Gebiet verlangt deshalb, dass auch in Zweifelsfällen diese Deutung vorgezogen wird“
So ist also die Deutung, die schon Albert Krieger gab, „Fischingen = Bei den Angehörigen des Visko“, die wahrscheinlichste. Ob der Ortsgründer nunr aber Visco, Visc oder Fiskin hiess, lässt sich nicht eindeutig aus dem Ortsnamen erschliessen. „Visc“ wird im 8. Jahrhundert als Beiname oder Rufname erwähnt . Die Bedeutung des Namens, nämlich „Fisch“, lässt vermuten, dass er ein Beiname, einbe Art Übername war. Er wäre mit dem Beiname „Kevar“ (=Käfer) zu vergleichen, der in dem Ortsnamen Köfering (bei Regensburg) steckt.

Wenn auch der Fisch im Fischinger Ortswappen eigentlich fehl am Platz ist, so könnte man sein Vorhandensein immerhin damit rechtfertigen versuchen, dass der Mann, dem Fischingen seinen Namen verdankt, „Fisch“ genannt wurden.


Literatur:

  1. Adolf Bach, Deutsche Namenskunde, Band II, 1 und 2, Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953 und 1954, Band II, 1, Seite 62
  2. Paul Oettli, Deutschschweizerische Ortsnamen, Volksbücher des Deutschschweizerischen Sprchevereins, 15.Bändchen, Erlenbach-Zürich, o.J, Seite 89
  3. Julius Studer, Schweizer Ortsnamen, Zürich, 1896, Seite 106
  4. Bruno Boesch, Ortsnamen und Siedlungsgeschichte am Beispiel der -ingen-Orte der Schweiz im Alemanischen Jahrbuch, 1958, Seite 18
  5. Hans Bahlow, Deutschlands geographische Namenswelt, Frankfurt/M, 1965, Seite 140
  6. Friedrich Kuhn, Fischingen und die Urmarkung Kirchen, in Die Markgrafschaft, Heft 2, Februar 1967
  7. Adolf Bach, Deutsche Namenskunde, Band II, 1 und 2, Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953 und 1954, Band II, 1, Seite 181
  8. Erika Morel, Die Ortsnamen auf -ingen im östlichen Südbaden, Zulassungsarbeit zum Staatsexamen (unveröffentlicht)
  9. Erika Morel, Die Ortsnamen auf -ingen im östlichen Südbaden, Zulassungsarbeit zum Staatsexamen (unveröffentlicht), Seite 12
  10. Albert Krieger, Topographisches Wörterbuch des Grossherzogtums Baden, Badisch-Historische Kommision (Hrsg), 2. Auflage, Heidelberg 1904
  11. Adolf Bach, Deutsche Namenskunde, Band II, 1 und 2, Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953 und 1954, Band II, Seite 72
  12. Adolf Bach, Deutsche Namenskunde, Band II, 1 und 2, Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953 und 1954, Band II, 1, Seite 181
(Quelle: Ortssippenbuch Fischingen von Helmut Fehse, 1972. Der Artikel von Inge Gula beginnt auf Seite 30)